Häufiger krank durch Unzufriedenheit im Job?

Beschäftigte, die über schlechte Stimmung am Arbeitsplatz klagen, sind häufiger krank und mit ihrer eigenen Gesundheit unzufrieden. Dies geht aus dem neuen Fehlzeitenreport des wissenschaftlichen Instituts der AOK hervor. Danach hat fast jeder Dritte, der die Unternehmenskultur bei seinem Arbeitgeber als schlecht bewertet, 2015 mehr als zwei Wochen im Betrieb gefehlt. Bei Arbeitnehmern, die ihren Arbeitsalltag positiv einschätzen, trifft dies nur auf jeden sechsten zu. Für die Untersuchung, die der Bundesverband der Ortskrankenkassen und das AOK-Institut in Berlin vorstellte, wurden etwa 2000 Erwerbstätige befragt.

Die große Mehrheit der Arbeitnehmer wünscht sich laut der Umfrage, dass ihr Arbeitgeber hinter ihnen steht und es auch mal Lob für gute Arbeit gibt. Gleichzeitig wollen die meisten Mitarbeiter bei wichtigen Entscheidungen mitreden – und natürlich soll auch das Gehalt stimmen. Wunsch und Wirklichkeit klaffen bei der Unternehmenskultur allerdings in vielen Betrieben noch weit auseinander: So fühlt sich nur jeder Zweite für das, was er in der Firma leistet, ausreichend gewürdigt. Und nur zwei von fünf Mitarbeitern geben an, wichtige Entscheidungen beeinflussen zu können. Ist die Stimmung im Betrieb gar schlecht, kann dies für die Unternehmen wegen des höheren Krankenstands teuer werden.

„Es gibt einen direkten Zusammenhang zwischen der Art und Weise, wie Beschäftigte ihre Arbeit erleben, und ihrer Gesundheit“, sagte Helmut Schröder, einer der Herausgeber des Fehlzeitenreports. So berichten Mitarbeiter, die ihr Jobumfeld schlecht bewerten, doppelt so oft über körperliche und psychische Beschwerden im Zusammenhang mit ihrer Arbeit als zufriedene Beschäftigte. Deutlich häufiger sind bei der Gruppe der Unzufriedenen auch Klagen über Rückenbeschwerden oder Erschöpfung. Sogar auf den Umgang mit ärztlichen Ratschlägen wirkt sich die Unternehmenskultur aus: Zwölf Prozent der Mitarbeiter, die die Lage im Büro, im Geschäft oder im Werk als positiv erleben, gehen krank zur Arbeit. Bei Beschäftigten in Betrieben mit einer schlechten Unternehmenskultur waren dies fast 17 Prozent.

Der Gesundheitsforscher Bernhard Badura, Mitherausgeber des Fehlzeitenreports, forderte ein Umdenken in den Chefetagen. Gerade in der „Kopfarbeitergesellschaft“ wollten Menschen ihr Tun „als sinnhaft empfinden. Menschen jagen nicht nur dem Geld hinterher“, sagte er. Führungskräfte müssten daher auf Werte setzen und ihren Untergebenen vertrauen. Wer nur per Anordnung und Kontrolle führe, sei aus der Zeit gefallen.

Der Fehlzeitenreport informiert auch über den Krankenstand der zwölf Millionen AOK-Mitglieder. Durchschnittlich fehlte 2015 ein AOK-Versicherter mit Attest 19,5 Tage. Der Krankenstand ist damit minimal auf 5,3 Prozent gestiegen. Auffällig ist jedoch, dass Ärzte weiter zunehmend psychische Erkrankungen diagnostizieren. Arbeitnehmer mit seelischen Leiden blieben im Durchschnitt 25,6 Tage zu Hause. Bei allen Erkrankungen liegt die Fehlzeit bei 11,6 Tagen.

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