Wenn der Mitarbeiter nur noch Dienst nach Vorschrift macht

Hat ein Mitarbeiter innerlich gekündigt, drohen gravierende Folgen fürs Unternehmen. Welche Anzeichen auf innere Kündigung hindeuten – und wie es dazu kommen kann, dass gute Leute nur noch Dienst nach Vorschrift machen.

Sie machen nur noch Dienst nach Vorschrift, feiern ständig krank und liefern bestenfalls mittelmäßige Arbeit ab: Haben Mitarbeiter innerlich gekündigt, kann das für Unternehmen zum Problem werden.

Jeder fünfte Arbeitnehmer hat innerlich gekündigt, schätzen Personalverantwortliche und Führungskräfte. Das geht aus dem aktuellen iga-Report „Engagement erhalten, innere Kündigung vermeiden“ hervor, einem Forschungsbericht der Initiative Gesundheit und Arbeit (IGA). Auch der Gallup Engagement Index, für den regelmäßig Arbeitnehmer befragt werden, kam Anfang des Jahres zu alarmierenden Ergebnissen: Demnach haben 16 Prozent der Beschäftigten innerlich bereits gekündigt, und sogar 68 Prozent machen lediglich noch Dienst nach Vorschrift.

Null-Bock-Haltung vergiftet das Betriebsklima

Was das Phänomen innere Kündigung für Unternehmen so gefährlich macht: Die Null-Bock-Haltung ist ansteckend. Denn viel zu oft beklagen sich die chronisch unzufriedenen Mitarbeiter bei Kollegen, anstatt mit ihren Vorgesetzten über ihre Gefühlslage zu sprechen. „Häufig ergeben sich Ausstrahlungseffekte auf Kolleginnen und Kollegen, sodass die Stimmung und Motivation im Team sinken“, heißt es im iga-Report.

Doch warum suchen sich die chronisch Unzufriedenen nicht einfach einen Job, der ihnen mehr Spaß macht? „Die ‚äußere Kündigung‘ wird in der Regel nicht in Betracht gezogen, da keine Alternativen zur aktuellen Tätigkeit gesehen und Einbußen befürchtet werden“, heißt es im iga-Report.

Innere Kündigung: Diese Gründe können dahinterstecken

Auch wenn sich Arbeitgeber sicher ärgern über dauerhaft unmotivierte und unzufriedene Mitarbeiter: Sie selbst tragen eine Mitschuld daran, dass es soweit kommt. „Einer inneren Kündigung geht eine Reihe unerfüllter Erwartungen voraus“, schreiben die Autorinnen des Reports.

Denn psychologisch betrachtet gehen Arbeitgeber und Arbeitnehmer neben dem offiziellen Arbeitsvertrag auch eine unausgesprochene Vereinbarung ein: Unternehmen etwa fordern von ihren Mitarbeitern Verlässlichkeit, Flexibilität und Loyalität. Im Gegenzug erwarten Beschäftigte „eine sinnhafte Tätigkeit, eine durch Respekt geprägte Beziehung zur Führungskraft und Arbeitsanforderungen, die zu bewältigen sind“. Und genau diese Erwartungen können Arbeitgeber nicht immer erfüllen.

Die Folge sind negative Gedanken des Arbeitnehmers – wie: „Ich ackere und ackere und keiner dankt es mir“. Kommt dann noch das Gefühl dazu, dass der eigenen Chef jeden Arbeitsschritt kontrolliert, fühlt sich der Betroffene im Job oft hilflos ausgeliefert. Und ein Wust an Bürokratie, der schnelle Entscheidungen verhindert und Ideen im Keim erstickt, tut sein Übriges, um das Engagement nachhaltig erlahmen zu lassen.

Zu großem Frust könne es auch führen, wenn Job und Mensch einfach nicht zusammenpassen, warnen die Autorinnen: „So ist es beispielsweise für Menschen mit proaktiver Persönlichkeit eher unbefriedigend, in stark strukturierten Arbeitsfeldern mit wenigen Einflussmöglichkeiten tätig zu sein.“

Diese Anzeichen deuten auf innere Kündigung hin

Die Autorinnen des iga-Reports haben einen Reflexionsbogen entwickelt: Er soll Führungskräften helfen, Anzeichen für innere Kündigung zu erkennen. „Die Antworten des Fragebogens stellen keine Fakten dar, sondern geben nur Anhaltspunkte, die im Gespräch mit der betroffenen Person besprochen werden sollten“, heißt es im Report. Im Folgenden veröffentlichen wir die Fragen mit freundlicher Genehmigung der IGA und der Autorinnen.

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